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04.03.2026
20:13 Uhr
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Bei seiner Premiere nimmt sich Stephan Zinner die große Weltpolitik vor und natürlich die noch größere CSU – und er hält ein Plädoyer fürs Augenmaß. Sehen Sie die Fastenpredigt hier live.

Ein Nockherberg vier Tage vor der Kommunalwahl in Bayern verspricht eine ganz besondere Würze: Entsprechend versammelt sich die Polit-Prominenz aus München, Bayern und darüber hinaus in der Großgaststätte der Paulaner-Brauerei in München. Doch worauf müssen sich Markus Söder und Co. einstellen? Von 19 Uhr an überträgt der Bayerische Rundfunk live, die Sendung ist auch hier auf SZ.de im Stream zu sehen. Dazu gibt’s die wichtigsten Infos zum Nockherberg:
Ein neuer Fastenprediger kommt in diesem Jahr auf die Bühne – und trotzdem ein alter Nockherberg-Bekannter: Stephan Zinner wechselt nach 15 Jahren als Markus Söder im Singspiel an das Prediger-Pult. Er folgt auf Maxi Schafroth, dessen Predigt vor allem bei CSU-Politikern nicht so gut ankam. Zinner sagt, er wolle nicht als Kunstfigur auftreten, sondern „komme als Wähler, als Bürger, als Wahlmünchner, der vom Land kommt, und sage Sachen, die ich mir überlegt habe“.
Zinner, der Metzger Simmerl aus den Eberhofer-Krimis, steht auf breiten Schultern: 1780 gab es im Kloster Neudeck in der Au den ersten feierlichen Salvatoranstich. 1806 pachtete Franz Xaver Zacherl die Paulaner-Brauerei und führte bald danach einen öffentlichen Starkbier-Ausschank ein – immer im April für acht Tage. Bald wurden die Festivitäten von Komödianten und Bänkelsängern unterhaltend umrahmt. 1891 erlebte das Starkbierfest, von der Au längst auf den Nockherberg umgezogen, seine erste Rede: Der populäre Volkssänger Jakob „Papa“ Geis unterhielt, wie es in der Chronik heißt, ein „äußerst gewähltes Herrenpublikum“. Ihm folgte in den 1920er- und 1930er-Jahren Ferdinand Weisheitinger, genannt Weiß Ferdl, dessen Vortrag eher unpolitisch blieb.
Der Schauspieler und Kabarettist Stephan Zinner hat auf dem Nockherberg jahrelang Markus Söder gedoubelt. Heuer hält er erstmals die Fastenrede. Was das Publikum von ihm erwarten darf.
Nach dem Krieg hielten die Rede der Schauspieler Adolf Gondrell, der Radio-Journalist Emil Vierlinger und der Roider Jackl, der berühmte Gstanzlsänger. Nach weiteren Versuchen mit dem Kabarettisten Klaus Havenstein, dem BR-Redakteur Franz Schönhuber – später Gründer der Partei „Die Republikaner“ – und dem Karikaturisten Ernst Maria Lang betrat 1982 ein künftig stilprägendes Duo die Bühne: Der Journalist Hannes Burger schrieb die Texte, der äußerst beliebte Schauspieler Walter Sedlmayr trug sie vor. Nach dem Mord an Sedlmayr 1990 folgten Toni Berger, Max Grießer – er als Erster in der Mönchskutte des Bruders Barnabas –, Erich Hallhuber und Gerd Fischer.
2004 begann, was der BR selbst den „Einzug der Kabarettisten“ nennt: Bruno Jonas, Django Asül und Michael Lerchenberg brachten einen neuen Ton auf die Bühne – schon allein, weil sie ihre Texte selbst schrieben. 2011, genau 120 Jahre nach der ersten Nockherberg-Rede, fiel eine Bastion bayerischer Männer-Vorherrschaft: Luise Kinseher, die erste Fastenpredigerin, kam als „Mama Bavaria“ auf die Bühne – beliebt und erfolgreich, bis sie 2018 ihren Abschied verkündete und das Rednerpult frei machte für Schafroth.
Der Kanzler wirkt gut 30 Jahre jünger, eine „Allround-Waffe“ wird zum Aiwanger und zwei Grünen-Darsteller kehren als Unions-Männer zurück: Diese Personen spielen mit beim Singspiel.
Das Team für Text und Musik steht seit 2018: Die Dialoge schreiben Richard Oehmann und Stefan Betz, die Lieder und die Zwischenmusik kommen von Martin Probst. Viel Neues gibt es heuer bei den Schauspielern nicht – allerdings einige Umbesetzungen. So spielt Wowo Habdank, der von 2014 bis 2018 den Hofreiter gab, nun Alexander Dobrindt. Nikola Norgauer hat sich nach Olaf Scholz für dieses Jahr die Rolle der Bärbel Bas draufgeschafft. Und um die neue Rolle von Thomas Limpinsel, als Robert Habeck Nockherberg-erfahren, wurde ein großes Geheimnis gemacht, bis es doch herauskam: Er tritt nun als Jens Spahn auf und kann darüber nachdenken, ob er sich damit verbessert hat. Die Handlung ist wie immer streng geheim, nur soviel: Irgendwie soll es um Drachen gehen.
Schauspieler Gerhard Wittmann über die Schwierigkeit, Dieter Reiter zu doubeln, die Frage, wie er ihn als Mensch einschätzt, und den denkwürdigsten Auftritt auf dem Nockherberg.
Der große Saal am Nockherberg fasst 600 Menschen – so viele werden auch eingeladen. Sie sind an diesem Abend Gäste der Brauerei, deshalb kann auch niemand Tickets für das Event kaufen. Die Einladung gilt jeweils für eine Person – nur der Münchner Oberbürgermeister und der bayerische Ministerpräsident dürfen in Begleitung kommen, meistens in der ihrer Ehefrauen. Das würde auch für den Bundeskanzler gelten, wenn er denn mal käme.
Die Starkbierzeit in München beginnt etwa zwei Wochen nach dem Aschermittwoch. Der fiel heuer auf den 18. Februar. Das Starkbierfest auf dem Nockherberg beginnt zwei Tage nach dem Politikerderblecken am 6. März und dauert bis zum 29. März.
Ursprünglich ist der „Josefitag“ der Stichtag für die Starkbierprobe – diese soll, so will es die Tradition, „um den 19. März“ herum stattfinden. Doch das hat sich für Brauerei und Gastronomie als wenig praktikabel erwiesen, denn das Starkbier ist ja eine Sache für die Fastenzeit. Weil aber Aschermittwoch – deren Anfang – und Ostern – deren Ende – bewegliche Feiertage sind, wäre die Dauer des Starkbierfests jedes Jahr anders. Deshalb ändern sich Beginn und Ende wie auch der Termin der Starkbierprobe von Jahr zu Jahr.
Markus Söder als Ganove, der neue Bundesländer annektiert? Oder doch als strahlender Held mit Robben-Bratwurst-Semmel? Egal, Hauptsache in der Fastenpredigt gewürdigt – denn das war nicht immer so.
Die Erlaubnis, ihr Bier öffentlich auszuschenken, erhielten die Paulaner-Mönche von Kurfürst Maximilian III. Joseph im Jahr 1751. Sie galt aber nur für einen Tag, den 2. April – das ist der Festtag des Ordensgründers Franz von Paola. Daher gaben die Mönche ihrem Gebräu den Namen „Sankt-Vater-Bier“. Aus diesem Namen entstand im Laufe der Zeit die Bezeichnung „Salvator“.
Im Jahr 2026 kostet eine Mass davon 14,90 Euro, 2025 waren es 40 Cent weniger. Zum Vergleich: Auf dem Oktoberfest 2025 lag der Preis für eine Mass zwischen 14,50 Euro und 15,80 Euro. Nockherberg-Novizen sollten es langsam angehen lassen: Das Starkbier macht seinem Namen mit einem Alkoholgehalt von 7,9 Prozent alle Ehre – wesentlich mehr als Helles oder Oktoberfestbier.
Jonas Schützeneder, Professor für Digitaljournalismus, zur Frage, ob Stephan Zinner einen guten Start haben wird, warum Maxi Schafroth gehen musste und das Singspiel besser ankommt als die Fastenpredigt.
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